GEMOTION
GALAXY

WESENSKUNDE · VERSTEHEN · ERKENNEN · ANWENDEN

Bedeutung & Bewertung

Waage als Symbol für Bedeutung, Bewertung, Denken und Fühlen

Bevor wir über Bewertung sprechen

Bewerten gehört zum Menschsein.

Wir bewerten nicht nur andere Menschen. Wir bewerten ständig unsere gesamte Umwelt: Situationen, Geräusche, Worte, Verhalten, körperliche Signale, Nahrung, Wetter, Gefahren und Möglichkeiten.

Unser inneres System fragt fortlaufend:

Ist das sicher oder gefährlich?
Ist das hilfreich oder schädlich?
Ist das wichtig oder unwichtig?
Möchte ich mich annähern oder Abstand halten?

Diese Form der Bewertung hilft uns, uns zu orientieren und Entscheidungen zu treffen.

Wenn wir dunkle Wolken sehen und einschätzen, dass ein Gewitter kommen könnte, ist das eine Bewertung. Wenn wir erkennen, dass eine heiße Oberfläche gefährlich sein kann, bewerten wir. Wenn wir feststellen, dass uns das Verhalten eines anderen Menschen verletzt, bewerten wir ebenfalls.

Bewertung an sich ist deshalb weder gut noch schlecht.

Problematisch kann sie dort werden, wo wir vorschnell urteilen, abwerten oder unsere Bewertung mit einer unumstößlichen Wahrheit verwechseln.

Es besteht ein Unterschied zwischen:

„Dieses Verhalten finde ich verletzend.“

und

„Dieser Mensch ist schlecht.“

Darum ist der Satz „Bewerte nicht“ eigentlich zu einfach.

Treffender wäre:

Bewerte bewusst. Prüfe deine Bewertung. Und verwechsle sie nicht automatisch mit der Wirklichkeit.

Denn wenn wir versuchen, uns jede Bewertung zu verbieten, verschwindet dieser innere Prozess nicht einfach. Wir nehmen ihn möglicherweise nur weniger bewusst wahr.

Und gerade die Wesenskunde möchte das Gegenteil erreichen:

Nicht Bewertung verhindern – sondern erkennen, wie wir bewerten und warum.


Wir erleben die Welt nicht nur durch das, was geschieht.

Wir geben dem, was wir wahrnehmen, auch eine Bedeutung – und wir bewerten es.

Ein Wort, ein Blick, eine Reaktion eines anderen Menschen oder eine bestimmte Situation kann deshalb bei zwei Menschen etwas völlig Unterschiedliches auslösen.

Die entscheidende Frage lautet:

Was bedeutet das für mich?

Und unmittelbar danach häufig:

Wie bewerte ich das, was es für mich bedeutet?

Ist es gut oder schlecht?
Angenehm oder unangenehm?
Sicher oder gefährlich?
Hilfreich oder schädlich?
Erwünscht oder unerwünscht?

Genau an dieser Stelle können Bedeutung und Bewertung unser weiteres Erleben entscheidend beeinflussen.

Bedeutung entsteht in unserem inneren Zusammenhang

Dasselbe Wort muss nicht bei jedem Menschen dieselbe persönliche Wirkung haben.

Nehmen wir beispielsweise das Wort:

„Fehler“

Für einen Menschen kann damit verbunden sein:

„Ich habe versagt.“

Für einen anderen:

„Ich habe etwas gelernt.“

Das Wort ist dasselbe.

Aber die damit verbundene Bedeutung ist unterschiedlich.

Und mit dieser unterschiedlichen Bedeutung können sich auch Bewertung, Gefühl und schließlich Verhalten verändern.

Bedeutung und Bewertung sind nicht dasselbe

Diese beiden Schritte werden in der Wesenskunde bewusst voneinander unterschieden.

Bedeutung fragt:

Was bedeutet das für mich?

Bewertung fragt:

Wie ordne ich diese Bedeutung ein?

Zum Beispiel:

Jemand sagt:

„Das war nicht gut.“

Die Bedeutung könnte für mich sein:

„Jemand kritisiert etwas, das ich gemacht habe.“

Meine Bewertung könnte anschließend lauten:

„Das ist gefährlich. Ich werde abgelehnt.“

Ein anderer Mensch könnte dieselbe Situation dagegen so bewerten:

„Da bekomme ich eine Rückmeldung, aus der ich vielleicht etwas lernen kann.“

Dasselbe Ereignis kann dadurch zu einem völlig anderen inneren Erlebnis werden.

Unsere Bewertungen haben eine wichtige Funktion

Bewerten ist zunächst nichts Schlechtes.

Wir brauchen Bewertungen, um uns in unserer Umwelt orientieren zu können.

Unser inneres System muss ständig einschätzen:

Ist etwas sicher?

Ist etwas gefährlich?

Ist etwas wichtig?

Ist etwas angenehm?

Soll ich mich nähern oder Abstand halten?

Bewertungen helfen uns deshalb dabei, Entscheidungen zu treffen.

Problematisch kann es erst werden, wenn eine Bewertung aus einer früheren Erfahrung stammt und von uns heute automatisch auf eine neue Situation übertragen wird, obwohl diese möglicherweise anders ist.

Hier verbindet sich Bedeutung und Bewertung direkt mit dem Wesensgedächtnis.

Erfahrungen beeinflussen Bedeutung

Was etwas für uns bedeutet, entsteht nicht immer erst in diesem Moment.

Vergangene Erfahrungen können bereits Bedeutungen mitgebracht haben.

Wenn ein Mensch beispielsweise häufig erlebt hat:

Fehler → Ärger → Beschämung → Ablehnung

kann das Wort „Fehler“ irgendwann eine ganz andere emotionale Bedeutung besitzen als für jemanden, der gelernt hat:

Fehler → ausprobieren → lernen → verbessern

So können sich aus Erfahrungen Bedeutungen entwickeln.

Aus Bedeutungen können Bewertungen entstehen.

Und aus wiederkehrenden Bewertungen können wiederum Erwartungen und Glaubenssätze hervorgehen.

Ein möglicher Zusammenhang

Erfahrung

Bedeutung

Bewertung

Gefühl

Erwartung / Glaubenssatz

Entscheidung und Verhalten

Und genau deshalb ist dieser Bereich innerhalb der Wesenskunde so wichtig.

Bewertungen können sehr schnell ablaufen

Wir sitzen nicht bei jeder Situation bewusst da und überlegen:

„Welche Bedeutung gebe ich dem jetzt und wie möchte ich es bewerten?“

Vieles kann sehr schnell und automatisch geschehen.

Wir sehen einen Gesichtsausdruck.

Wir hören einen bestimmten Satz.

Jemand antwortet nicht auf eine Nachricht.

Und innerhalb kurzer Zeit kann daraus in uns bereits etwas geworden sein wie:

„Er ist sauer auf mich.“

oder:

„Ich bin ihm nicht wichtig.“

Dabei haben wir möglicherweise schon eine Bedeutung und Bewertung erzeugt, ohne diesen Vorgang bewusst wahrgenommen zu haben.

Genau deshalb gehört zur Wesenskunde auch das Lernen, solche Prozesse überhaupt zu erkennen.

Eine Bewertung ist nicht automatisch eine Tatsache

Das ist ein besonders wichtiger Punkt.

Wenn ich etwas als Ablehnung empfinde, bedeutet das zunächst:

Ich habe die Situation als Ablehnung erlebt und bewertet.

Das muss nicht automatisch bedeuten, dass die andere Person mich tatsächlich ablehnen wollte.

Unsere Bewertungen sind wichtig, weil sie unser Erleben beeinflussen.

Aber sie können trotzdem überprüft werden.

Wir können uns fragen:

Was ist tatsächlich passiert?

Welche Bedeutung habe ich dem gegeben?

Wie habe ich es bewertet?

Welche anderen Erklärungen wären möglich?

Damit müssen wir unsere erste Wahrnehmung nicht entwerten.

Wir erweitern lediglich unsere Möglichkeiten.

Bedeutung kann sich verändern

Und hier liegt einer der wichtigsten Gedanken dieses Bereichs:

Eine einmal gelernte Bedeutung muss nicht für immer dieselbe bleiben.

Neue Erfahrungen, neues Wissen und eine andere Perspektive können verändern, wie wir etwas heute verstehen.

Das Vergangene wird dadurch nicht ungeschehen.

Aber wir können prüfen:

Ist die Bedeutung, die ich damals gelernt habe, heute noch passend?

Genau an diesem Punkt beginnt später auch die Verbindung zur Wesensgestaltung.

Fragen, die zu Bedeutung und Bewertung gehören

  • Was bedeutet diese Situation für mich?
  • Warum bedeutet sie mir genau das?
  • Welche Erfahrungen verbinde ich damit?
  • Wie bewerte ich diese Bedeutung?
  • Ist etwas für mich gefährlich, unangenehm oder lediglich ungewohnt?
  • Was ist tatsächlich passiert – und was habe ich daraus geschlossen?
  • Könnte ein anderer Mensch dieselbe Situation anders verstehen?
  • Hätte ich dieselbe Situation früher anders bewertet?
  • Passt meine heutige Bewertung zur gegenwärtigen Situation?
  • Gibt es noch eine andere mögliche Bedeutung?

Kurz zusammengefasst

Bedeutung und Bewertung beschreiben, wie wir dem Wahrgenommenen einen persönlichen Sinn geben und es anschließend innerlich einordnen. Diese Prozesse können beeinflussen, was wir fühlen, erwarten, entscheiden und tun.

Zwischen dem, was geschieht, und dem, was wir fühlen, liegt oft die Bedeutung, die wir dem Geschehen geben.