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WESENSKUNDE · VERSTEHEN · ERKENNEN · ANWENDEN

Wesensgestaltung

Mensch blickt auf einen leuchtenden Weg als Symbol für bewusste Lebensgestaltung
Wir können nicht alles bestimmen, was in uns entsteht. Aber wir können lernen, bewusst damit umzugehen und mitzugestalten, was daraus wird.

Wesensgestaltung ist der praktische Teil der Wesenskunde.

Hier kommen Wahrnehmung, Gefühle, Erinnerungen, Bedeutungen, Bewertungen, Sprache, Glaubenssätze, Prägungen, Entscheidungen und Verantwortung zusammen.

Es geht nicht darum, einen vollkommen neuen Menschen aus sich zu machen.

Es geht darum, das eigene innere System immer besser kennenzulernen und dort bewusst Einfluss zu nehmen, wo Einfluss tatsächlich möglich ist.

Gestaltung beginnt mit Erkennen

Wir können kaum bewusst verändern, was wir gar nicht wahrnehmen.

Deshalb beginnt Wesensgestaltung nicht mit:

„Ich muss anders werden.“

Sondern mit:

„Was geschieht eigentlich gerade in mir?“

Was fühle ich?

Was denke ich?

Welche Bedeutung gebe ich dieser Situation?

Welche Erwartung habe ich?

Welche alte Erfahrung könnte dabei eine Rolle spielen?

Welcher innere Satz läuft vielleicht automatisch ab?

Damit greifen wir auf alles zurück, was wir in den vorherigen Bereichen der Wesenskunde kennengelernt haben.

Gefühle erkennen, benennen und akzeptieren

Ein besonders wichtiger Ausgangspunkt sind unsere Gefühle.

Wir können lernen, unser emotionales Erleben genauer wahrzunehmen und ihm einen Namen zu geben.

Nicht nur:

„Mir geht es schlecht.“

sondern vielleicht:

„Ich bin enttäuscht.“

„Ich schäme mich.“

„Ich habe Angst.“

„Ich bin verletzt.“

„Ich bin neidisch.“

Damit wird aus einem diffusen Zustand etwas, das wir betrachten können.

Der nächste Schritt ist die Akzeptanz:

Dieses Gefühl ist jetzt da und gehört zu meinem momentanen Erleben.

Akzeptanz bedeutet dabei weiterhin nicht, jedem Gefühl zu gehorchen oder jedes daraus entstehende Verhalten gutzuheißen.

Sie bedeutet, sich nicht dafür zu bekämpfen, dass man überhaupt fühlt.

In der Wesenskunde kann daraus ein liebevollerer Umgang mit sich selbst entstehen: Selbstliebe nicht als ständiges positives Gefühl gegenüber sich selbst, sondern als Akzeptanz, Respekt und Fürsorge für das eigene Wesen.

Verstehen, bevor wir verändern

Wenn wir etwas erkannt und angenommen haben, können wir fragen:

Warum ist das gerade so?

Welche Bedeutung besitzt diese Situation für mich?

Was verbinde ich damit?

Woher könnte diese Bewertung kommen?

Welche Erfahrung steckt möglicherweise dahinter?

Damit beginnt Wesensgestaltung nicht bei der Oberfläche des Verhaltens, sondern versucht, den Zusammenhang dahinter zu verstehen.

Denn wenn jemand beispielsweise immer wieder auf Kritik mit starker Angst reagiert, können wir lediglich versuchen:

„Hab keine Angst.“

Oder wir können untersuchen, was Kritik für diesen Menschen bedeutet.

Vielleicht:

Kritik = Fehler.
Fehler = Versagen.
Versagen = Ablehnung.

Dann wird plötzlich verständlicher, warum ein scheinbar kleiner Satz eine so große Wirkung haben kann.

Bedeutung und Perspektive verändern

Wir können nicht verändern, was geschehen ist.

Aber wir können überprüfen, welche Bedeutung ein vergangenes Ereignis heute noch in uns besitzt.

Das ist ein zentraler Teil der Wesensgestaltung.

Ein früheres Ereignis kann vielleicht jahrelang mit der Bedeutung verbunden gewesen sein:

„Ich habe versagt.“

Später können neue Erkenntnisse ermöglichen:

„Ich war damals überfordert.“

oder:

„Ich wusste es zu diesem Zeitpunkt nicht besser.“

oder:

„Ich habe einen Fehler gemacht und daraus gelernt.“

Das Ereignis wird dadurch nicht gelöscht oder umgeschrieben.

Verändern können sich jedoch Perspektive, Bedeutung, Bewertung und damit möglicherweise auch seine heutige emotionale Wirkung.

In diesem Sinne kann man innerhalb der Wesenskunde davon sprechen, die eigene erlebte Vergangenheit neu zu schreiben: nicht die historischen Tatsachen, sondern die Geschichte, Bedeutung und Schlussfolgerungen, die wir heute damit verbinden.

Sprache ist eines unserer wichtigsten Werkzeuge

Unsere innere Welt besteht nicht nur aus Bildern und Gefühlen.

Wir beschreiben sie auch mit Sprache.

Wir sagen uns:

„Ich bin schwach.“

„Ich kann das nicht.“

„Ich bin ein Versager.“

„Ich muss immer funktionieren.“

Solche Sätze können irgendwann so vertraut werden, dass wir sie kaum noch bemerken.

Deshalb gehört zur Wesensgestaltung auch, den eigenen inneren Dialog sichtbar zu machen.

Dann können wir fragen:

Ist dieser Satz eine Tatsache?

Woher kommt er?

Welche Bedeutung steckt darin?

Passt er heute noch?

Und wenn nicht:

Wie könnte ich ihn wahrer, hilfreicher und angemessener formulieren?

Nicht durch künstliches positives Denken.

Aus „Ich kann gar nichts“ muss also nicht werden:

„Ich kann alles.“

Vielleicht reicht zunächst:

„Ich kann nicht alles – aber ich kann lernen.“

Genau hier treffen Sprache, Bedeutung, Glaubenssätze und Wesensgestaltung aufeinander.

Denken allein reicht nicht

Ein neuer Satz kann wichtig sein.

Aber ein Satz allein schafft noch keine neue Erfahrung.

Wenn ein Mensch jahrzehntelang gelernt hat:

„Ich darf keine Grenzen setzen.“

Dann reicht es möglicherweise nicht, morgens zu sagen:

„Ich darf Nein sagen.“

Irgendwann muss die neue Bedeutung erlebt werden.

Vielleicht sagt dieser Mensch zum ersten Mal ein kleines Nein.

Er erlebt:

Die Welt geht nicht unter.

Beim nächsten Mal gelingt es wieder.

Nach und nach kommen neue Erfahrungen hinzu.

Und genau diese neuen Erfahrungen werden wiederum Teil des Wesensgedächtnisses.

Vom bewussten Handeln zum neuen Automatismus

Viele unserer heutigen Reaktionen laufen automatisch, weil sie oft wiederholt oder tief gelernt wurden.

Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Automatisierung entlastet uns.

Problematisch wird sie nur dort, wo automatisch etwas abläuft, das uns heute nicht mehr hilft.

Wesensgestaltung versucht deshalb nicht, alle Automatismen abzuschaffen.

Sie kann vielmehr dazu führen, neue hilfreiche Abläufe aufzubauen.

Am Anfang ist etwas bewusst und ungewohnt.

Wir müssen daran denken.

Wir müssen uns vielleicht überwinden.

Wir wiederholen es.

Wir machen neue Erfahrungen.

Und mit der Zeit kann auch das Neue vertrauter und automatischer werden.

Was wir heute bewusst lernen und erleben, kann uns morgen bereits als Erfahrung zur Verfügung stehen.

Alles geschieht in der Gegenwart

Der Arbeitsraum der Wesensgestaltung ist die Gegenwart.

Die Vergangenheit liefert Erfahrungen.

Die Zukunft existiert für uns als Vorstellung, Erwartung und Möglichkeit.

Aber wahrnehmen, erkennen, akzeptieren, bewerten, entscheiden und handeln können wir nur jetzt.

In der Gegenwart können wir eine Erinnerung anders betrachten.

In der Gegenwart können wir einen alten Satz erkennen.

In der Gegenwart können wir ein Gefühl akzeptieren.

In der Gegenwart können wir eine andere Entscheidung treffen.

Und das, was wir heute tun und erleben, wird anschließend wieder Teil unserer Erfahrung.

So entsteht eine Verbindung:

Vergangenheit beeinflusst Gegenwart → Gegenwart kann neue Erfahrungen erzeugen → diese Erfahrungen beeinflussen zukünftige Gegenwart.

Damit gestalten wir unsere Zukunft nicht dadurch, dass wir sie vollständig kontrollieren.

Wir gestalten sie dadurch, dass wir heute neue Voraussetzungen schaffen.

Der Weg der Wesensgestaltung

Auf der Hauptseite soll hierzu eine große grafische Darstellung stehen:

Erkennen → Benennen → Akzeptieren → Verstehen → Bedeutung prüfen → neu bewerten → neu formulieren → anders handeln → neu erleben → wiederholen → verankern

Danach Rückkopplung:

Neue Erfahrung → neues Wesensgedächtnis → neue Möglichkeiten in der nächsten Gegenwart

Diese Grafik bildet zugleich die Brücke zur geplanten Unterseite „Der Weg der Wesensgestaltung“.

Erkennen, Benennen, Akzeptieren, Verstehen, Bedeutung prüfen, neu bewerten, neu formulieren, anders handeln, neu erleben, wiederholen und verankern

Kurz zusammengefasst

Wesensgestaltung bedeutet, das eigene innere Erleben bewusst kennenzulernen und dort Einfluss zu nehmen, wo Veränderung möglich ist. Wir können Gefühle kennenlernen und akzeptieren, Bedeutungen überprüfen, alte Bewertungen neu betrachten, unsere Sprache verändern, andere Entscheidungen treffen und neue Erfahrungen schaffen.

Nicht alles lässt sich sofort verändern.

Nicht alles lässt sich kontrollieren.

Und die Vergangenheit lässt sich nicht ungeschehen machen.

Aber wir können in der Gegenwart immer wieder fragen:

Was ist jetzt da? Was bedeutet es für mich? Und was möchte ich heute daraus machen?

Hauptleitsatz:

Wesensgestaltung bedeutet nicht, ein anderer Mensch zu werden. Sie bedeutet, bewusster mit dem Menschen umzugehen, der du bist – und mitzugestalten, was du daraus entwickelst.

Seitenstruktur

Wesensgestaltung wird – ähnlich wie „Gefühle und Emotionen“ – auf zwei Ebenen aufgebaut:

  1. Hauptseite „Wesensgestaltung“ – erklärt das Gesamtprinzip und enthält die große Weg-Grafik.
  2. Unterseite „Der Weg der Wesensgestaltung“ – vertieft die einzelnen Schritte praktisch mit Beispielen, Selbstfragen und später ggf. Übungen/Arbeitsblättern.